Bayreuth, eine kleine, schöne Stadt irgendwo in Bayern. Gemeinsam mit Peter, einem Freund aus Zürich, trete ich hier für den Debating Club St. Gallen zu einem Debattierturnier an. Für drei Tage hat sich die deutschsprachige Debattierszene zu hitzigen Wortgefechten versammelt.

Ein Erfahrungsbericht von Julian

Nach unserer Ankunft in Bayreuth werden wir in einer Jugendherberge untergebracht. Von dort aus geht es direkt zur Universität, wo die erste Vorrunde stattfinden wird. Peter und ich haben noch kein einziges Mal zusammen debattiert. Nun wird sich zeigen wie wir als Team agieren.

Nach kurzer Einführung in die Abläufe des Turniers wird das Thema bekannt gegeben. Wir stellen die zweite Opposition. Im BPS-Format (British Parliamentary Style) kämpfen für Regierung und Opposition jeweils zwei Teams, welche als Koalition agieren sollen.

Die Regierung greift an: eine Technologie, die unliebsame Erinnerungen an Partner löschen kann, soll erlaubt werden. In der Vorbereitung haben Peter und ich vermeintlich tief nachgedacht und die Unterscheidung von digitaler und mentaler Erinnerung für richtungsweisend gehalten.

Nun werden wir vom Antrag der Regierung überrascht. Nicht die Gefahren digitaler Erinnerungen stehen im Mittelpunkt unserer Debatte. Stattdessen wird einfach so angenommen, dass ein Droge alle schlechten Erinnerungen löschen kann.

Eilig versuchen wir während der Debatte unsere Argumente anzupassen, um im Anschluss an die erste Opposition eine relevante Erweiterung vortragen zu können: Erinnerungen bzw. Erfahrungen sind elementarer Bestandteil der Persönlichkeit und notwendig für deren Entwicklung.

Die Jury, bestehend aus drei Studenten, folgt allerdings dem Antrag und würdigt unsere Argumente daher kaum. Wir nehmen aus der ersten Debatte mit, dass weniger die Argumente selbst und mehr deren verständliche Darstellung zum Erfolg führt.

Am nächsten Tag versuchen wir es erneut – nun müssen wir uns für die Legalisierung angemeldeter Massenschlägereien einsetzen. Kein leichtes Unterfangen, und doch können wir die zweite Debatte für uns entscheiden. Wir verstehen die Kriterien allmählich besser.

Gleichwohl wir in den folgenden drei Vorrunden nicht mehr an den Erfolg der zweiten anknüpfen können, so lernen wir doch von unseren Gegnern und Mitstreitern dazu. Gerade dieser Umstand, fünf herausfordernde Debatten innerhalb von zwei Tagen, zeichnet ein solches Turnier aus.

Nach vier anstrengenden Vorrunden am zweiten Tag, geniessen wir im Anschluss daran das gemeinsame Abendessen mit unseren Mitstreitern und erfahren schliesslich, wer im Halbfinale antreten wird. Am Abend bietet sich endlich auch die Gelegenheit die anderen Redner besser kennen zu lernen.

Am dritten und letzten Tag dürfen wir nun entspannt den erfahrenen Rednern zusehen. In einem durchaus starken Finale (Thema: Privatpersonen sollen Flüchtlinge bei sich zuhause aufnehmen dürfen), treten die vier verbleibenden Teams vor uns Teilnehmern und der interessierten Öffentlichkeit an.

Als das Team aus Bremen mit der besten Finalrednerin gewinnt, geht für uns ein intensives Wochenende zu Ende. Wenngleich wir die Entscheidungen der Jury nicht immer haben nachvollziehen können, so haben wir doch ungemein interessante Erfahrungen gesammelt.

Im Gegensatz zur eher freundschaftlichen Atmosphäre im Debating Club St. Gallen ist der Wettkampfgedanke auf einem Debattierturnier sicherlich stärker ausgeprägt. Hat man sich daran gewöhnt, lockt das nächste Turnier. Diese Mischung aus spannenden Themen und guten Gegnern findet man nur dort.

Kategorien: Aktuelles, Turniere

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