Am 25. April fuhren wir mit sieben St. Galler Debattanten und zwei Juroren nach Brugg AG zum Turnier der Schweizerischen Studienstiftung – und konnten sowohl den ersten Platz als Team als auch den Preis für den besten Redner in die Ostschweiz holen!

Auch diesmal sollten wir mit dem Wetter kein Glück haben (vgl. dazu unsere Freundschaftsdebatte mit den Zürchern): Nach anderthalb-stündiger Fahrt, gespickt mit unzähligen Aargau-Scherzen seitens unserer Mitglieder aus Zürich, kamen wir endlich in einem verregnetem Brugg an: Mit zweieinhalb Teams und zwei Juroren waren wir ausgezogen, um beim BPS-Turnier der Schweizer Studienstiftung gegen neun andere Teams aus der ganzen Schweiz anzutreten. Auch der Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz war schnell gefunden, und so freuten wir uns auf einen angenehmen Turniertag.

Doch zurück zum Anfang: Durch die geringere Anzahl an Teams ging bei diesem Turnier alles etwas flotter als bei den Zeit- oder Regiodebatten, und nach einer kurzen Einführung und den obligatorischen Snacks, die schweizweit gleich zu sein scheinen, ging es auch gleich mit der ersten Debatte los: „Sollten Schönheitswettbewerbe verboten werden?“ lautete die Frage, die es zu erörtern galt – mit einem St. Galler Team in der Eröffnenden Opposition, und einem zu Teilen Ostschweizer Team in der schliessenden Regierung. Insgesamt eine sehr spannende Debatte: Während die Regierung die Gefahr, die von Schönheitswettbewerben für heranwachsende Jugendliche und insbesondere Mädchen ausgeht, hervorzuheben versuchte, war die Strategie der Opposition zweiseitig ausgelegt: Zum einen argumentierten wir, dass Schönheitswettbewerbe schon lange von den sozialen Medien als Hauptquelle der Beeinflussung verdrängt worden seien. Zum anderen forderten wir das Wertebild der Regierung heraus: Auch Sportlichkeit oder musikalische Begabung ist ein Stück weit mit der Geburt gegeben, und trotzdem sehen wir Sportler als Idole – warum also nicht auch Schönheitskönig(innen)? So erzielten wir denn auch einen guten zweiten Platz hinter der schliessenden Opposition, die mit ihrem Argument, dass Wettbewerb in allen Fällen des Lebens natürlich sei und wir ja auch nicht den Arbeitsmarkt als Konkurrenzplattform verböten, die Juroren überzeugte.

Apropos Juroren: Auch hier konnte das Turnier mit hochkarätigen Gästen aufwarten, waren doch mit Ekaterina und Eugene Akulich zwei Finalisten der European Universities Debating Championship (EUDC) extra angereist, die uns wertvolles Feedback geben konnten, bevor es in die zweite Runde ging – diesmal zum Thema, ob unbezahlte Praktika verboten werden sollten.

Zwei St. Galler während den letzten Sekunden vor Beginn einer Debatte.

Zwei St. Galler während den letzten Sekunden vor Beginn einer Debatte.

Hier durften wir mit unseren Kollegen Nathalie und Patrick auf der gleichen Seite antreten: Während sie in der eröffnenden Regierung insbesondere auf die Ausnutzung der Praktikanten, die Substitution regulärer Arbeitskräfte und den Abschreckungseffekt für ärmere Studenten eingingen, bezogen wir in der schliessenden Regierung Stellung dazu, wie die aktuelle Situation zu adverser Selektion führen kann und warum ein Verbot unbezahlter Praktika auch für die beteiligten Unternehmen besser sei: Wir setzten der Behauptung der Opposition, dass Studenten ökonomisch denkende Wesen seien, die auch für ein Praktikum ein Semester länger studierten um nachher mehr zu verdienen, entgegen, dass sie vielmehr risikoaverser Natur seien: Aus irrationaler Angst vor der Zukunft sowie aus sozialem Druck seitens der mitfinanzierenden Familie würden sie eher vor unbezahlten Praktika zurückschrecken, auch wenn diese ökonomisch sinnvoll seien. Bezahlte Praktika seien daher auch für die Unternehmen gut, da sich nun auch intelligente, aber wirtschaftlich schlechter gestellte Studenten vermehrt bewerben würden. Hinzu komme, dass dadurch, dass die Unternehmen für den Praktikanten zahlten, sie ihm auch anspruchsvollere Aufgaben gäben; sein Wert steige.

Mit dieser Auffassung konnten wir denn auch die Jury überzeugen und den ersten Platz belegen! Danach galt es noch, eine Debatte zur Frage, ob bei einem Referendum zum Thema Abtreibung nur Frauen abstimmen dürfen, zu überstehen, und die quälende Zeit des Wartens auf die Finalverkündung begann. Zu Hilfe bei ihrer Überbrückung kamen uns allerdings das Abendessen und die Möglichkeit, sich mit anderen Debattanten auszutauschen.

Jonas und Jan freuen sich über ihren ersten Platz.

Jonas und Jan freuen sich über ihren ersten Platz.

Doch dann war es soweit, und die Spannung stieg: Hatten wir es ins Finale geschafft? Nach einer Reihe weiterer Ankündigungen durften wir uns endlich glücklich schätzen: Wir konnten an der Finaldebatte zum Thema Öffnung der Schweizer Grenzen für Migranten teilnehmen!

Nach kurzer Vorbereitungszeit ging es hier wesentlich anspruchsvoller zur Sache: Durch einen starken Antrag, der gewisse Mindesthürden einführte, legte die Regierung vor – um dann wieder hinter der Kritik der Opposition, die die negativen Folgen für die Schweizer Infrastruktur hervorhoben, einzuknicken. Wir in der schliessenden Opposition konnten zudem mit den Folgen für die Länder, aus denen die Auswanderer kamen punkten – und schafften es, uns so den Sieg zu sichern!

Insgesamt also ein sehr spannender Tag für uns und auch für die anderen St. Galler und restlichen Debattanten: Gute Themen, exzellente Juroren und die Möglichkeit, Kontakt zu vielen neuen Leuten zu knüpfen. Und nicht zuletzt das erhebende Gefühl, mit einem Pokal nach Hause fahren zu können!

Solltet der obige Erfahrungsbericht bei euch Vorfreude geweckt haben: Hier (und natürlich während der Debatten und im Newsletter) halten wir euch auf dem Laufenden, was die aktuellen Turniere angeht – schaut also immer mal wieder rein!

Kategorien: Aktuelles, Turniere

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