Ostwestfalen-Lippe (OWL): eine Region, von der die meisten St. Galler Studenten vermutlich noch nie gehört haben. Und trotzdem brachen unsere zwei wackeren Debattanten Jonas und Jan dorthin auf, um am ersten Turnier der Debating Society Paderborn teilzunehmen – und zogen prompt als eines von 4 der 24 teilnehmenden Teams ins Finale ein! Lest hier ihre Erfahrungen.

Unsere beiden Debattanten Jonas & Jan

Unsere beiden Debattanten Jonas & Jan

Eine Stadt, von der man höchstens einmal aus der Fussballwelt gehört und sich schon immer gefragt hat, wo sie eigentlich liegt – so stellte ich mir Paderborn vor, als Jonas und ich uns für den OWL-Cup der Debating Society Paderborn anmeldeten. Und trotzdem erfüllte uns schon zu diesem Zeitpunkt eine leichte Vorfreude, gerade weil wir die Paderborner nicht nur schon als angenehme Zimmerpartner, sondern auch als gute Feierer kennenlernen durften. Diese Vorfreude prägte mich auch auf den ersten Kilometern der mit 8h doch langen Fahrt, kurz bevor sich verspätungsbedingte Ernüchterung einstellte, mündend in einer Ankunft in tiefster Nacht.

So beginnen meine, Jans, Erinnerungen, ganz im Gegensatz zu denen des von zuhause angereisten und bereits das Paderborner Nachtleben explorierenden Jonas, am nächsten Morgen, wo es nach kurzem Frühstück und munterem Austausch mit Bekannten zügig zur Universität weiterging: Schliesslich sollte dieser Tag von vier Vorrunden geprägt sein! Die erste sollte sich mit der Frage beschäftigen, ob ein Richter, der seine Stelle nur durch „Nachbesserung“ seiner Examensnote erlangte, danach aber 10 Jahre gute Arbeit leistete, nun entlassen werden sollte, nachdem eine Zeitung seine Schummelei aufgedeckt hatte. Jonas und mir wurde die Seite der eröffenenden Regierung zugeteilt – bei Turnieren darf man seine Seite schliesslich nicht frei wählen! Mit unserer Argumentationslinie, dass das Verhalten des Richters zwar ausdrücklich falsch war, eine Amnestie hier aber in Anbetracht seiner tatsächlichen Leistungen, der Unverhältnismässigkeit einer Entlassung und der negativen Folgen für die tausenden von Prozessbeteiligten der letzten 10 Jahren durchaus gerechtfertigt sei.

Damit konnten wir die Jury überzeugen – und landeten, den ersten Platz dieser Runde einheimsend, prompt in einem anspruchsvolleren Raum. Denn die Struktur dieses Debattierformats bedingt es, dass erfahrerene Teams eher gegen erfahrerene Gegner antreten und beginnende gegen andere Anfänger. Es folgten drei weitere Vorrunden:

  • Sollten betrogene Ehepartner von den am Ehebruch beteiligten Dritten Schmerzensgelt fordern können? (1. Platz)
  • Sollten in einer Welt, in der Fortpflanzung nur im Labor möglich ist, Babies nicht nur aus Erbmaterial der Eltern, sondern immer auch aus dem eines unbekannten Dritten gezeugt werden? (4. Platz)
  • Dieses Haus begrüsst die Aufklärung des VW Abgasskandals (2. Platz)
In der Theologische Fakultät fanden wir uns zu einem religiös geprägten Halbfinale ein.

In der Theologische Fakultät fanden wir uns zu einem religiös geprägten Halbfinale ein.

Die erfahrerenen Debattierer wissen es schon: Mit den gesammelten acht Punkten war uns der Einzug ins Halbfinales sicher! Doch vorher stand noch etwas ganz anderes an: Von vorherigen Treffen hatten wir unsere Paderborner Kollegen nicht nur als gute Debattierer, sondern auch als exzellente Feierer kennengelernt – und sollten nicht enttäuscht werden: In einem ehemaligen, jetzt zum Club umfunktionierten Kino sollte das zweite Social steigen! Bevor es dort jedoch mit dem Feiern losging geschah noch etwas Unerwartetes: Wir St. Galler wurden zusammen mit zwei aus Wien angereisen Teams auf die Bühne gerufen. Als Teams, die am weitesten angereist waren, vertraute uns Paderborn wohlwollend einen (symbolischen) Rollkoffer an 😉

Nachdem wir die Zeit nicht nur zum Plaudern mit alten Bekannten, sondern auch zum Tanzen und Geniessen des einen anderen Biers genutzt hatten, stand irgendwann schliesslich der Heimweg an – am nächsten Morgen hiess es früh aufzustehen. In den wunderschönen Räumen der Theologischen Fakultät, einer bereits vierhundert Jahre alten katholischen Universität erredeten wir den zweiten Platz  bei der Diskussion der Frage, ob alle religiös-isolationistischen Gruppen zur Durchführung eines sog. Rumspringä verpflichtet werden sollte.

Das Paderborner Rathaus: Hier fand das Finale statt.

Das Paderborner Rathaus: Hier fand das Finale statt.

Und so stand nach einem kurzen Mittagessen nebst Stadtrundgang schon das Finale im historischen Rathaus Paderborns an – gegen Teams aus Hamburg, Göttingen und Marburg: Im Angesicht einer vom CDU-Bürgermeister Paderborns geführten Ehrenjury durften wir uns der spannenden wie komplexen Fragestellung widmen: „Sollte die Paderborner CDU Gespräche mit der AfD aufnehmen?“. Hier hatten wir durchaus noch Verbesserungspotenzial: Argumentierten wir noch, warum wir so eine Extremisierung der Gesellschaft verhindern können, brachten die späteren Gewinnerinnen aus Marburg knallharte Strategie-Argumente, die schlussendlich die Jury überzeugten.

Und obwohl es so lang schien, stand nach einem Wochenende am Sonntag bereits wieder die Heimreise an – doch trotz deren langer Dauer kann ich mit Recht sagen: Toll gemacht, liebe Paderborner! Wir freuen uns, auch im kommenden Jahr an so einem tollen Turnier teilzunehmen.

Hat dich dieser Erfahrungsbericht neugierig gemacht? Dann schau doch bei einer unserer Abendlichen Debatten vorbei, wo wir dich auf Turniere wie dieses vorbereiten und dir die Teilnahme ermöglichen!

 

 

Kategorien: Aktuelles, Turniere

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